Praktikantenleben II: Das Unterrichten

oder auch: der noch nicht so ganz alltägliche Wahnsinn

Unterrichten ist Stress. Das ist so ungefähr die Zusammenfassung dessen, was ich in den letzen zwei Wochen gelernt habe. Egal wie gut der Unterricht vorbereitet ist, ich bin am Schluss völlig platt.

Besonders deutlich wurde das gestern, als ich eine Doppelstunde bei meinen lieben 6ern gehalten habe. Eigentlich ist das eine Traumklasse: motivierte Schüler, keiner, der so richtig böswillig stört und sie finden es einfach toll, wenn mal nicht der übliche Lehrer vorne steht. Aber gleichzeitig sind es eben doch noch Kinder kurz vor der Pubertät und die können irgendwie nicht anders, als zwischendurch auch mal laut zu sein.

In der ersten Stunde, als wir den Text besprochen haben und sie noch ein Arbeitsblatt ausfüllen sollten, waren sie die reinsten Engel. Mucksmäuschenstill, konzentriert und wesentlich schneller als meine Planung das vorgesehen hat. Die zweite Stunde hat das dann wieder ein bisschen korrigiert. Thema war die Vegetation am Mittelmeer, ich hab also brav ein bisschen Anschauungsmaterial mitgebracht. Fanden sie toll und haben es durch den Geräuschpegel deutlich gemacht. Und auch dadurch, dass sie alles essen wollten, was da vor ihnen lag. Gut, dass das bei Oregano wirklich geht, Olivenblätter dagegen sind vielleicht nicht unbedingt zum Verzehr geeignet.

Am Ende der Stunde war ich dann glücklich, dass alles hingehauen hat, und müde genug, um sofort ins Bett zu fallen. Hab ich dann zwar nicht gemacht, aber zumindest davon geträumt, während ich zur Entspannung einer 7. Klasse dabei zugeschaut habe, wie sie einen Film über den Passatkreislauf sieht und deutlich macht, wie wenig alle in den letzten zwei Wochen Unterricht aufgepasst haben.

Praktikantenleben I: Das Hospitieren

Wow, es ist fast einen Monat her, dass ich hier was geschrieben habe… das geht ja wirklich nicht! Aber immerhin ist auch eine ganze Menge passiert.
Ich habe unterrichtet, hospitiert, Neues gelernt , Altes vergessen und vieles mehr.

Aber jetzt mal alles der Reihe nach. Heute erzähl ich euch was übers Hospitieren, der Rest folgt in den nächsten Tagen.

Ich habe in den letzten Wochen so viel hospitiert, dass es mir langsam manchmal ein bisschen zu blöd wird. Interessanterweise sind nicht die Standard-Stunden, die mich am meisten nerven. Hier lerne ich einfach jede Stunde eine ganze Menge neue und nützliche Sachen im Umgang mit den Schülern und dem Stoff dazu. Aber die Stunden, in denen sehr viel Schüleraktion ist, z.B. bei Gruppenarbeiten, die sich lange hinziehen, da wird es schnell ziemlich ermüdend hinten drin zu sitzen und zu beobachten.

Meine netteste Begegnung im Bezug auf Freiarbeit war letzte Woche bei einer 5. Klasse in Erdkunde. Die haben eine Doppelstunde, was an sich für die Kleinen schon echt anstrengend ist. Deshalb hat der Lehrer in der ersten Stunde ganz normalen Frontalunterricht gemacht, bei dem die Schüler echt motiviert mitgemacht haben (Das sollten sich die Pädagogen auch mal hinter die Löffel schreiben. Schüler mögen Frontalunterricht! *gg*).
In der zweiten Stunde gabs dann einen Lernzirkel, d.h. drei Arbeitsblätter lagen aus, die im Lauf der Stunde allein oder zu zweit selbstständig bearbeitet und korrigiert werden sollten. Und ich hab mich bereitwillig zum Helfen einspannen lassen. Die 5er sind einfach so süß und knuddelig, dass man sie am liebsten mit nach Hause nehmen würde. Jedenfalls bin ich dann also rumgelaufen, hab Fragen beantwortet, beim Lösen geholfen und mit einzelnen Schülern einen Trip zum großen Klassenzimmerglobus gemacht.

Das sind dann so die Stunden, in denen ich mich auch als Praktikantin mal nützlich fühle. Das geht oft ein bisschen unter, wenn man viel als unbeteiligter Beobachter hinten drin sitzt. Damit kann ich einfach irgendwie nicht so gut umgehen. Wenn ich selber was machen kann, fühl ich mich besser. Aber dazu gibts dann im nächsten Artikel mehr 🙂

School-Bash #2

Weils letztes Mal so schön war, gibts hier wieder das heute Highlight des Tages:

7. Klasse

Geographie-Unterricht, Thema: Die Bahn der Erde um die Sonne

Im Erdkunde-Buch (Terra GWG 3/4, Klett Verlag) befindet sich dazu diese tolle Grafik:

Aufgabe des Schüler war es, nach vorne zu kommen und mithilfe von Globus und OHP die Situation am 23. September nachzustellen. Das Problem wird klar, wenn man das Bild anschaut, da sieht es nämlich aus, als sei die Erde am 23. September nicht beleuchtet. Der Schüler geht also vor, rätselt kurz und kommt dann zu dem Ergebnis: „Da ist ja dunkel, also boom!“ und schaltet den OHP aus.

Nicht ganz das, was der Lehrer erwartet hatte, aber die Schuld liegt hier wohl eher an der mehr als suboptimalen Abbildung im Buch als an einem dummen Schüler.

School-Bash #1

Wuhuuu, eine neue Kategorie!!! Im Unterricht kriegt man immer mal wieder Aussagen, die man so zwar nicht stehen lassen kann (wir wollen den Schülern ja Respekt allen Menschen gegenüber beibringen ^^), aber ich kringel mich innerlich manchmal vor lachen, v.a. wenn die Kinder in der Unterstufe ihre Sprüche raushauen…

6. Klasse, Geographieunterricht, Thema: Europäische Spuren in der Welt
Lehrer: „Wer war denn schon in Amerika, bevor die Europäer das entdeckt haben?“
Schüler: „Da waren Indianer, so Unkultivierte halt.“

Rollenwechsel

Ich hatte ganz vergessen, wie anstrengend Schule eigentlich sein kann… Und das, obwohl ich noch nicht mal mehr selber Schüler bin, sondern nur beobachtend hinten drin sitze.

Freitag ist da ein gutes Beispiel: Den Vormittag habe ich gemeinsam mit Mitpraktikant S. bei einer achten Klasse verbracht. Sechs Stunden in Klassenzimmer und Sporthalle. Und man tut nichts außer beobachten. Was macht der Lehrer? Was machen die Schüler? Wie reagieren alle aufeinander? Was ist gut? Was ist schlecht? Warum funktioniert die eine Übung gut und die andere nicht? Das ist wirklich anstrengender, als es auf den ersten Blick scheint.

Außerdem fällt es mir oft wirklich schwer, unbeteiligter Beobachter zu sein. Immer mal wieder gibt es Situationen, wo ich mich als Schüler bei einem Kommunikationsproblem eingemischt und die Sache klargestellt hätte oder ich freu mich, dass ich die Antwort weiß und würde sooo gerne strecken und zeigen, wie toll ich doch bin und was ich alles weiß 😉 Gar nicht so einfach, nicht in die Schülerrolle zurückzufallen. Heute saß ich bei den Abiturienten im Geo-Unterricht, Einführung in die Plattentektonik, tolles Thema und ich wollte sooo gerne mitmachen. Aber das geht dann ja doch irgendwie nicht. Ich muss das ja schon alles wissen und die 12er sollen es lernen ^^

Und dann gibt es doch wieder die Tage, an denen ich in die seltsame Schülerrolle zurückfallen soll, aber denken muss wie ein Lehrer… Seminartage! Das muss mein Hirn noch lernen, was es da wirklich tun muss. Kleine, oberstufenartige Kurse, vorne eine Lehrer, der uns was beibringen will, und wir sitzen mit aufmerksamen Gesichtchen da und versuchen uns alles zu merken. Und keine Panik zu schieben angesichts der Tatsache, dass wir das alles irgendwie auch mal praktisch umsetzen sollen, was wir da erzählt kriegen. Auch nicht einfach.

Das schwierigste ist dann die Kombination von allem: Vormittags Schule, hektische Fahrt in die Stadt runter und dann ohne Mittagspause (KEINE gute Idee!)  den Rest des Tages im Seminarunterricht sitzen und brav zuhören.

Ihr seht, Schulpraktikant zu sein, ist anstrengend und momentan wenig befriedigend. Aber hoffentlich ändert sich das ein bisschen, wenn ich dann auch mal eine Runde unterrichten darf/muss und sehe, was das ganze Rumgehocke vielleicht doch gebracht hat.

Surreale Sechstklässler

Den heutigen Tag habe ich bei einer sechsten Klasse verbracht, d.h. ich saß in allen ihren Stunden hinten drin und hab mir angeschaut, was Lehrer und Klasse so miteinander machen und was dabei alles schiefläuft.

Mein erster Eindruck war gar nicht mal so schlecht. Insgesamt eine aufmerksame, nette Klasse, die den Großteil der Zeit auch fleißig mitarbeitet. Aber die Art der Mitarbeit ist schon was Besonderes. Keine fünf Minuten vergehen, in denen nicht dreimal jemand den Mund aufmacht und den Rest der Klasse darüber informiert, was bei ihm gerade alles nicht funktioniert, was der Nebensitzer macht und warum das sowieso alles irgendwie doof ist.

Die Mädels schaffen es dabei meistens, ihre Aufgaben zumindest halbwegs zu erledigen, auch wenn die Gestaltung von Überschriften eindeutig der wichtigste Teil des Heftaufschriebs zu sein scheint. Die Jungs dagegen reagieren auf jede Störung des Klassenclowns und kommen so nie richtig zur Ruhe.

Ich werde versuchen, die Klasse in den nächsten Wochen zumindest in meinen eigenen Fächern noch öfters zu besuchen, um zu sehen, ob und wie sich die Situation verändert. In der Klassenlehrerstunde hat sich nämlich deutlich gezeigt, dass die Klasse selber mit dem Zustand nicht glücklich ist. Ob das wirklich eine Veränderung herbeibringt, wird sich zeigen.

Morgen wird eine achte Klasse unser Beobachtungsopfer sein. In der sind wir dann zu zweit unterwegs statt alleine. Das bietet dann auch die Möglichkeit, sich unter den Praktikanten ein bisschen mehr auszutauschen und Eindrücke zu vergleichen. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie es weitergeht.

Eine Schule ohne Schüler

Heute war mein erster offizieller Praxissemester-Praktikanten-Tag. Willkommensfrühstück für das gesamte Lehrerkollegium, Kollegenfoto (ohne Praktikanten *gg*), erste Dienstbesprechung des Schuljahres und eine kleine Führung durch die Schule. All das noch ohne Schüler, für die beginnt das Schuljahr ja erst am Montag.

Bisher fängt alles wirklich gut an. Meine drei Mitpraktikanten sind nett, die Lehrer beißen nicht und unser Betreuer kümmert sich auch gut um uns. Das alles nimmt zumindest schon mal die erste Angst. Und irgendwie wirkt auch alles gleich vertraut im Schulgebäude: die gleichen Betonsäulen und orangefarbenen Klassenzimmertüren wie an meinem alten Gymnasium. Da hat sich wohl der gleiche Architekt verkünstelt. Nicht hübsch, aber zweckmäßig und man fühlt sich schneller heimisch. Auch nicht das schlechteste.

So richtig los geht es die nächsten Tage erst mal noch nicht. Am Montag sind wir am Schulseminar und haben da selber Unterricht, am Dienstag folgen die Formalitäten in der Schule, Mittwoch wieder Seminar und am Donnerstag dürfen wir dann endlich das erste Mal mit in den Fachunterricht. Bis dahin wissen wir dann hoffentlich so langsam, wie alles abläuft. Und auch die Schüler haben sich dann hoffentlich wieder dran gewöhnt, dass es jetzt mit der Schule weitergeht und die Ferien Geschichte sind. Da kommen dann ein paar neue Praktikanten, über die man sich amüsieren kann, ganz recht.