Zwischendrin und kurz davor

Prüfungsphase in Deutschland: die Zeit, in der Deutschlands Studentenbuden blitzen und blinken wie sonst nur in den fünf Minuten nach Mamas letztem Besuch, die Kleiderschränke sind voller gebügelter Wäsche, die Kühlschränke voll mit gesundem Essen und auf den Schreibtischen türmen sich Bücher, Lernzettel, Skripte und Karteikarten, in der Hoffnung, dass das Wissen sich einfach direkt in den Kopf bewegt, ohne dass man tatsächlich etwas Konstruktives dafür tun würde. So ist das jedenfalls bei mir.

Wenn ich Kommilitonen mit akribisch abgetippten, vollständigen Lernzetteln vier Wochen vor der Klausur sehe, krieg ich einen nervösen Tick im Auge und bin gleichzeitig tierisch neidisch, dass sie es scheinbar geschafft haben, ein Lernsystem zu finden, das für sie funktioniert und mit dem sie erfolgreich arbeiten können. Meines wandelt sich ständig… Bei der ersten Klausur dieses Jahres waren es noch halbfertige abgetippte Antworten zu den vorher ausgeteilten Klausurfragen, bei der zweiten waren es pinke Klebezettel auf dem Skript, die die meiner Meinung nach wichtigsten Dinge in kryptischen Worten und Abkürzungen zusammenfassten, und inzwischen bin ich dazu übergegangen, eine komische Mischform zwischen Buch lesen und handschriftlichen Notizen auf der Rückseite von nicht mehr benötigtem Semesterlesestoff zu verwenden. Alles jedenfalls nicht sehr organisiert, artet spätestens zwei Tage vor der Klausur in ein Chaos aus, in dem nichtmal mehr ich mich zurechtfinde, und führt jedes Semester dazu, dass ich mir selber verspreche, es nächstes Mal besser zu machen.

Das Dumme an der ganzen Sache ist nur, dass es irgendwie zu funktionieren scheint. Solange ich nicht mal richtig blöd auf die Nase falle mit meiner Lernerei, werde ich mich auch nicht gezwungen fühlen, sie zu ändern. Auch wenn ich während der nächsten Lernphase dann wieder zwischen völliger Verzweiflung und dem Wunsch nach einem tiefen schwarzen Loch im Boden schwanke.

Immerhin war das Wetter nett zu mir und hat gleich gar nicht versucht, mich nach draußen zu locken. Wobei inzwischen der Gedanke an einen Regenspaziergang auch schon verlockend ist. Vor allem, wenn ich so nette Sachen wie hier lese. Das macht Hoffnung auf die Zeit danach.

Regentropfen am Fenster, Norddeutschland

4 Gedanken zu „Zwischendrin und kurz davor

  1. Mir fiel das ganze interessante Zeug immer recht leicht. Meine Lernstrategie war es deshalb, den schwächeren das Zeugs zu erklären. Das ist unglaublich effektiv: man wiederholt es gezwungener Maßen (oft auch mehrfach) und ab und an kommt man doch an eine Stelle, die man nicht gewusst hat (im Gegensatz zu der Einstellung „ich kann das doch eh alles schon“, da hat man dann nämlich noch weniger Elan…). Davon abgesehen haben die anderen auch was davon. 🙂

    Achja, in reinen Lernfächern, die mich nicht interessieren, war ich immer schlecht (Ja BWL, ich zeige auf dich!). Aber davon hatten wir zum Glück nicht allzu viele.

  2. blöd, wenn man der einzige Lehrämtler in einer Gruppe Bachelors ist, die alle komische andere Module machen oder mit den Gedanken nur noch bei der Abschlussarbeit sind 🙂
    Aber stimmt, die Erklärmethode hab ich oben ganz vergessen, die hilft auf jeden Fall, solange man willige Opfer hat.

  3. Achja, meine Freundin schreibt sich am Ende des Semesters aus ihrem Hefter das ihrer Meinung nach wichtige heraus und lernt dann nur die 3-5 A4-Blätter, gerne auch laut.

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