Bunte Verzweiflung

In den letzten zwei Wochen habe ich sehr, sehr, sehr viel Zeit damit verbracht, mir an den Kopf zu fassen. Auslöser: 140 Zweitsemester, die ich mit V. zusammen beaufsichtige, babysitte und – und das ist das Allerschlimmste – deren Interview-Analysen, die sie im Rahmen des Methodenmoduls gemacht haben, wir korrigiert haben.

Die Studis hatten ein paar ganz einfache Vorgaben für die Abgabe der Analysen: Dateiformat (doc oder odt), Schriftgröße (12 pt), Schriftart (times new roman), Fließtext mit 1-2 Seiten. Alles eigentlich nur aus Prinzip und um uns die nachträgliche Formatierung zu ersparen. Die Vorgaben hätten wir uns komplett sparen können: Die Texte, die all diese Kriterien erfüllt haben, kann man an einer Hand abzählen.

Beim Korrigieren der Texte hatte ich regelmäßig eine große Schüssel Kommas neben mir stehen, die ich zu Dutzenden untergebracht habe. Ich habe Sätze umformuliert, ganze Absätze neu geschrieben, das/dass-Fehler korrigiert und mir eigentlich nur noch überlegt, wie die Leute es durch 13 Jahre Schule geschafft haben, ohne auch nur das kleinste bisschen über Grammatik, Syntax und Rechtschreibung mitgenommen zu haben.

Ich kann durchaus verstehen, dass man keinen Bock auf diese Analysen hat. Mir haben sie im zweiten Semester auch keinen Spaß gemacht. Und es gibt sicher auch einen ganzen Haufen Studenten, die nicht einsehen, warum sie das jemals brauchen werden, wenn sie ihr Leben doch sowieso nur damit verbringen wollen, Bodenlöcher zu buddeln, Würmer zu zählen und höchstens ein paar Pflanzen dazu befragen wollen, wie wohl sie sich an dem Standort fühlen. Aber was da teilweise abgegeben wurde, war einfach nur eine Frechheit. Uns Tutoren gegenüber dafür, dass wir es korrigieren mussten, und den Kommilitonen gegenüber, die versuchen sollen, die Texte zu analysieren. Auch im zweiten Semester sollte man es schon schaffen, einen einseitigen Text nicht nur runterzuschreiben, sondern wenigstens die Rechtschreibkontrolle drüberlaufen zu lassen.

Die letzten beiden Texte, die ich heute Abend noch korrigiert habe, haben der ganzen Sache dann noch die Krone aufgesetzt. Nicht nur, dass die Formatierung das Gegenteil dessen war, was wir verlangt hatten (Arial, 11pt, einzeilig, linksbündig), sondern der Text war auch noch bunt! Eine durchaus sinnvolle Methode, die einem prima dabei helfen kann, den Text zu strukturieren und sicherzustellen, dass man alle wichtigen Inhalte aus der Transkription des Interviews auch in die Analyse übernimmt. Aber das gibt man doch bitteschön nicht so ab! Das bringt nämlich überhaupt gar niemandem mehr was, wenn er das liest. Und für die Korrektur ist es auch nur nervtötend. Und überhaupt fühlte ich mich da dann einfach nur noch verarscht und musste in hysterisches Gelächter ausbrechen und mir mit Capslock-Verwendung Luft machen, um das überhaupt noch verkraften zu können.

Falls ich jemals wieder Methoden-Tutorin bin, nehm ich einfach nur noch .txt-Dateien an und jeder andere Anhang wird vorher rausgefiltert, sodass ich gar nicht Gefahr laufe, es sehen zu müssen. Oder so…

3 Gedanken zu „Bunte Verzweiflung

  1. Wenn ich meine Arbeiten aus dem zweiten Semester anschaue, überkommt mich auch ein leichter Grusel. 😦 Insofern bedauere ich ein wenig, dass meine Lehrer in der Schule scheinbar alles angenommen haben…

    Wenn das (noch) geht, würde ich an deiner Stelle die Arbeiten mit der Bitte um Überarbeitung zurück geben. Ansonsten sollte das Thema wenigstens angesprochen werden. *denk*

    • Angesprochen wird es auf jeden Fall. Es geht mir auch nicht um Fehler, die jedem mal passieren, sondern vor allem darum, dass man vielen Texten ansieht, dass sie einfach schlampig in zu kurzer Zeit runtergeschrieben wurden, weil es ja eh egal ist, weil es keine Note dafür gibt (oder was auch immer das der ausschlaggebende Punkt war).

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